Best Buddies, Bowling und Bars – die FSJ-Verlängerer-Fahrt nach Groningen als interkulturelles Erlebnis

vom 31. Januar 2018

Freitagmittag. Die Stimmung im Bus ist entspannt, als wir uns auf den Weg machen, alle sind ein wenig müde von der Seminarfahrt und den langen Nächten. Wir befinden uns auf dem Rückweg aus Groningen.
Hinter uns liegen drei abwechslungs- und vor allem ereignisreiche Tage.
Zwei Tage zuvor: Ebenfalls um die Mittagszeit kommen wir an, in der fahrradfreundlichsten Stadt der Niederlande. Dass die Stadt nicht für Reisebusse ausgelegt ist, bemerken wir schnell. Nicht nur weil überall, an jeder Ecke reihenweise Fahrräder stehen – mit dem Bus brauchen wir drei Anläufe, um zu unserem Hostel zu kommen. Dort angekommen bleibt gerade genug Zeit, um uns in den Zimmern einzurichten und im Speiseraum zu Mittag zu essen, ehe wir zu unserem ersten Programmpunkt aufbrechen. Wir treffen uns mit den Best Buddies im Old Courthouse, einem wirklich sehr schönen alten Gerichtsgebäude, und erfahren:
Best Buddies ist ein Programm, bei dem Freiwillige gemeinsam mit einem Buddy, bei dem es sich um einen Menschen mit geistigen Einschränkungen handelt, Freizeitaktivitäten gestalten – ganz ähnlich dem FED in Deutschland, nur dass die Buddies alle erwachsen sind.
Am Nachmittag erzählen uns erst Studierende etwas über ihre Organisation und Soziale Arbeit in den Niederlanden generell. Wir stellen sowohl Gemeinsamkeiten mit als auch Unterschiede zu Deutschland fest. Abends dann treffen wir die Buddies als Freundschaftspärchen und erleben einen witzigen Abend voller Unterhaltung mit Twister, deutsch-niederländischem Vokabelmemory und einem Quiz. Die Kommunikation ist natürlich nicht barrierefrei, aber es klappt einigermaßen und Spaß haben wir allemal.

 

Der nächste Tag bietet ein ganz anderes Programm. Nach dem Frühstück im Hostel brechen wir zur Vensterschool auf, einer integrativen Schule mit Schülern zwischen 4 und 12 aus etwa 40 Ländern; allein eine ganze Klasse mit syrischen Kindern. Angeschlossen sind zudem eine Kita, eine Beratungsstelle für schwangere Mütter, ein Zentrum für Arbeitsuchende, die ins soziale beziehungsweise berufliche Leben zurück wollen/geholt werden sollen – und darüber hinaus ein Teil der städtischen Bibliothek.
Im Anschluss daran geht es recht bald weiter mit einer Führung durch die Innenstadt Groningens, geleitet von zwei deutschen Studentinnen, die hier studieren. Überhaupt, so erfahren wir nicht nur durch ihre Erzählungen, gibt es in der Stadt sehr viele Studenten, 60.000 um genau zu sein. Und das bei gerade einmal 200.000 Einwohnern insgesamt. Durch die jungen Damen scheint die Geschichte der Stadt und ihrer Gebäude ein wenig zum Leben zu erwachen. Da lohnt es sich, sich der Kälte auszusetzen – auch wenn wir uns anschließend erst einmal in ein Café setzen und aufwärmen müssen.
Der zweite und letzte Abend besteht dann darin, zum Bowling zu gehen. Und obwohl die Programmpunkte der vergangenen Tage Spaß gemacht und wir einiges gelernt haben, ist es doch schön, zusammen etwas zu unternehmen und dabei nichts Neues lernen zu müssen – außer vielleicht, wie man eine Bowlingkugel nicht wirft. Im Anschluss daran lassen wir den Abend in kleiner Runde mit unseren beiden Seminarleitern bei einer Runde Mau-Mau und ein, zwei Drinks in der Crown-Bar ausklingen. Man tauscht sich aus in der lockeren Atmosphäre der irisch anmutenden Kneipe und auch als sich die Runde langsam auflöst, bleiben einige von uns sitzen, genießen die Atmosphäre und nutzen den Abend, um sich noch weiter zu unterhalten.
Am nächsten Morgen dann steht auch schon fast die Abreise an, zuvor geht es aber noch zur Hanzehogeschool, der (Fach-)Hochschule, an der uns das D-Team, bestehend aus fünf deutschen Studierenden, verschiedene Studiengänge präsentiert – von Sport Studies über Physiotherapie und angewandter Psychologie bis hin zu Sozialer Arbeit, alles sehr praxisbezogen. Einige von uns spricht es wirklich an und weckt Interesse – vielleicht auch, weil es in den Niederlanden keinen N.C. gibt. Die Studenten bestätigen noch einmal, was wir selbst schon festgestellt hatten: Groningen ist eine weltoffene, junge, dynamische Stadt, in der immer etwas los ist.

 

Festgestellt hatten wir das nämlich bereits am ersten Abend: wir gingen als kleine Gruppe in die Innenstadt, um noch etwas zu erleben. Dabei fanden wir in einer Seitengasse eine kleinere Bar, die geschlossen hatte, im Erdgeschoss leuchteten lediglich ein paar Neonlichter. Wie durch Zufall aber entdeckte uns der Barkeeper, der im ersten Stock stand und uns zuwinkte. Er kam auch gleich herunter und schloss uns auf. Der Mann sprach nur Niederländisch und Spanisch. Irgendwie verständigten wir uns dennoch. Er führte uns nach oben, durch ein sehr dunkles Treppenhaus. Wir fühlten uns schon fast etwas unwohl. Aber als wir oben ankamen, verflüchtigten sich sämtliche Zweifel – wir stolperten mitten in eine Flamenco-Tanzstunde, die der Barkeeper gerade gab. Mit ein wenig Hilfe schafften wir es, etwas zu bestellen und verbrachten den Abend in einer wirklich entspannten, familiären Atmosphäre, mit spanischer Musik und sogar persönlichem Ständchen des Barkeepers/Tanzlehrers, der sich im Laufe des Abends als Kubaner herausstellte. Authentischer hätten wir den Charakter dieser Stadt nicht kennenlernen können, da waren wir uns alle einig.
Die drei Tage in Groningen waren eine großartige Erfahrung, ob es das Programm war oder die freie Zeit dazwischen, und als wir am frühen Freitagnachmittag im Bus sitzen, bedauern wir lediglich, dass es schon vorbei ist. Wir wollen wiederkommen, wenigstens einige von uns. Ein wenig Neid gegenüber den Verlängerern des nächsten Jahres kommt auf, weil sie dieses Erlebnis noch vor sich haben. Ja, wir sind froh dabei gewesen zu sein.
Für die Verlängerergruppe 2017/2018, Henri Scheweling

 

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